Nachhaltige Baustoffe sind natürliche Baustoffe. Ihre Nachhaltigkeit ist daran erkennbar, dass sie wiederverwendbar und nachwachsend sind. Holz ist ein Paradebeispiel für nachhaltige Baustoffe. Es wächst durch Aufforstung immer wieder nach, ist wiederverwendbar und ein äußerst verarbeitungsfreundliches Baumaterial. 

Neben Holz gibt es zahlreiche andere ökologische Baustoffe, die Nachhaltigkeit versprechen. Alle nachhaltigen Baustoffe finden sich in der Natur.

Warum sind nachhaltige Baustoffe so wichtig und attraktiv?

Nachhaltigkeit im Bau bedeutet das Bauen auf Jahrzehnte hinaus, für viele nachfolgende Generationen. Deshalb ist es wichtig, Baustoffe zu verwenden, die eine lange Lebensdauer versprechen. Wenig bis keine notwendigen Ausbesserungs- oder Reparaturarbeiten sind ein gutes und sicheres Zeichen für Nachhaltigkeit. Einmal gebaut mit nachhaltigen Baustoffen, sollte ein Haus auf Jahrzehnte nutzbar sein. Die Instandhaltung sollte so wenig wie möglich Kosten verursachen wie Energie aufwenden. Der Einsatz der Energie am Bau beginnt übrigens sehr früh und umfasst sehr viel.

Das Haus und sein langer Lebenszyklus

Es klingt paradox: Ein Haus kann doch nicht leben. Es kann nur Leben beherbergen. Und doch gibt es den Lebenszyklus eines Hauses, der bei weitem nicht nur den Zeitraum des Bewohnens umfasst. Er beginnt bereits bei der Rohstoffgewinnung. Der tatsächliche Zeitraum der Hausnutzung als Wohnhaus oder Geschäftshaus zieht sich über die Errichtung, die Nutzung, die Instandsetzung, eventuell notwendige werdende Modernisierungen bis hin zum Abriss. Damit ist der Lebenszyklus eines Hauses jedoch noch nicht abgeschlossen. Erst wenn die nachhaltigen Baustoffe dem Recycling zugeführt und die recycelten Baustoffe für andere Bauwerke genutzt werden, endet der Lebenszyklus eines Hauses. Je mehr nachhaltige Baustoffe dem Recycling zugeführt werden, desto nachhaltiger ist der Baustoff. Je weniger neue Materialien für ein neues Bauprojekt angefordert werden müssen, desto nachhaltiger ist der Bauprozess. Damit steigen Umweltfreundlichkeit und Ökologie eines nachhaltig gebauten Hauses.

Graue Energie

Die gesamte Energie, die aufgewendet und verbraucht wird, während die Rohstoffe für ein Haus gewonnen werden und daraus ein Haus gebaut wird über die Instandsetzungsarbeiten bis hin zum Abriss und dem Recycling der Baustoffe, wird als Graue Energie bezeichnet. Konkret zählen dazu alle energetischen Aufwendungen für den Transport der nachhaltigen Baustoffe, deren Lagerung, Verarbeitung, Entsorgung und für den Rückbau. Letztendlich fließt auch die Energie als Graue Energie in die Kalkulation ein, welche die Kreissäge und der Akkuschrauber verbrauchen. 

Faktoren der Nachhaltigkeit

Bevor also die Verbraucher von Strom, Gas und Heizöl angeschlossen werden und die Energie gezählt und berechnet wird, verbraucht das Haus bereits eine immens große Menge an Energie. Sie wird häufig vernachlässigt, spielt aber als nachhaltiger und ökologischer Faktor für die Energie-Gesamtbilanz eine große Rolle. Je weniger Energie aufgewendet wird, um die Baustoffe bereitzustellen und zu bearbeiten, desto höher ist der Grad der Nachhaltigkeit. Um so nachhaltig wie möglich zu bauen, sollte man vor allem drei Faktoren beachten, welche die Nachhaltigkeit stützen:

  • Die Baustoffe haben eine regionale Herkunft.
  • Vom Rohstoff ist genügend vorhanden, der Abbau ist ressourcenschonend.
  • Der Rohstoff kann als Baustoff dem Recycling zugeführt werden.

Welche Baustoffe sind nachhaltig?

Baumaterialien, die ökologisch und nachhaltig sind, haben vier Eigenschaften:

  • Der Baustoff ist nachwachsend, seine Ökobilanz gut.
  • Der Baustoff lässt sich in den Recycling-Kreislauf zurückführen. 
  • Für das Recycling muss der Baustoff mit umweltfreundlichen Mitteln behandelt worden sein.
  • Kurze Bezugswege der Baustoffe sorgen für Nachhaltigkeit.

Neben Holz gibt es viele weitere nachhaltige Baustoffe: Naturstein, Ton, Ziegel, Lehm, Reet, Kork. Umweltfreundliche Behandlungsmittel sind Farben auf Basis von Kalk, Lehm oder Kreide. Für das Recycling und für die Behandlung während des Bauens gilt, dass Naturlacke auf Naturharz-Basis die umweltfreundlichste Gestaltungsmöglichkeit bieten. 

Einen wahren Boom gibt es um den Baustoff Bambus. Sein Ruf als nachhaltiger, ökologischer Baustoff eilt ihm voraus. Doch so gut wie sein Ruf ist der Bambus nur bedingt. Zwar wächst er sehr schnell nach, ist umweltfreundlich, benötigt fast keine Behandlung, aber die Ökologie und Nachhaltigkeit verliert sich dort, wo er nicht wächst. Kurze Bezugswege sind nur in Indonesien und Costa Rica möglich.

Die ökologische Dämmung

Die äußere Fassade eines Hauses kann so nachhaltig sein wie ökologisch – wenn das Haus im Sommer wie eine Sauna wirkt und die Heizung im Winter nach draußen heizt, wird nachhaltiges Bauen zum Albtraum.

Auf die praktische Dämmung kommt es an. Hier ist die Liste der nachhaltigen Baustoffe sehr lang. Aber auch hier gilt: Die Rückführung in den Recycling-Kreislauf, die umweltfreundliche Behandlung, die positive Ökobilanz und die kurzen Transportwege bilden wichtige Faktoren. Während im ländlichen Bereich sehr oft mit Schilf, Schafwolle, Wiesengras, Stroh, Reet oder Napiergras gedämmt wird, kommen städtisch eher Holzfaser, Holzwolle, Jute, Kokosfaser, Kork oder Hanf zum Einsatz. Das Motto kann lauten: Natürlichkeit schafft Nachhaltigkeit.

Geht nachhaltig und modern zusammen?

Zuerst die Antwort: In der Regel ja. 

Modern bauen bedeutet beispielsweise, in den nachhaltigen Baustoff die Dämmung zu integrieren. Die Energie-Bilanz des Baus und die Kosten sinken erheblich. Soll der Baustoff hingegen recycelt werden, zeigt sich das Problem, dass der Baustoff ein Verbundbaustoff ist, dessen Entsorgung schwierig, das Recycling fast unmöglich ist. Nachhaltiges Bauen besteht also auch im Abwägen zwischen Energie-Bilanz, der Kostenfrage und den Fragen des Recyclings, wenn das Haus später längst nicht mehr genutzt werden wird.

Die Nachhaltigkeitsforschung hat Techniken entwickelt, auch Verbundbaustoffe zu recyceln. Am Beispiel Stahlbeton wird dies deutlich. Betonplatten, beispielsweise aus Plattenbauten, sind ein Verbundbaustoff aus Beton und Stahl. Beides muss getrennt recycelt werden. Nach dem Schreddern und dem Abführen des Stahls wird der Beton zu Kiesel verarbeitet und kann in dieser Form weiterverwendet werden. 

Farben und Lacke

Um auch gestalterisch nachhaltig wirksam zu werden, gibt es eine ökologische Variante von Farben und Lacken. Deren Grundstoffe sind vegan, also auf pflanzlicher Basis von Harzen, Ölen, Fetten und Wachsen. Regionalität ist auch hier ein wichtiger Faktor, beispielsweise dann, wenn bestimmte Basisstoffe regional nicht verfügbar sind.

Woran erkennt man nachhaltige Baustoffe?

Nachhaltige Baustoffe tragen ein Siegel. Das wohl bekannteste ist „Der Blaue Engel“, daneben gibt es Label wie das „EU Ecolabel“ „Cradle to Cradle“ und „Natureplus“. Die Fortwirtschaft etikettiert nachhaltige Hölzer mit dem FSC-Siegel.