Nachhaltigkeit und ökologisches Denken sollen das Haus mit bauen? Was so selbstverständlich klingt, kann auch verwirren. So viele Faktoren gilt es beim nachhaltigen Hausbau zu beachten, so viele Möglichkeiten der Verwendung von Baustoffen bieten sich an, so viele smarte Lösungen gibt es, um den Hausbau so nachhaltig und ökologisch wie möglich zu gestalten. 

Um nachhaltiges Bauen so einfach wie möglich zu machen, ist dies ein Leitfaden für das Großprojekt Nachhaltiger Hausbau. Der Leitfaden ist so aufgebaut, wie man beim Hausbau vorgeht: Von unten nach oben, von außen nach innen. Nach einem erfolgreichen Hausbau folgt schließlich die Gartenarbeit, d. h. all das, was in der Umgebung des Hauses auf dem Grundstück für Nachhaltigkeit sorgen kann. Der 10-Punkte-Plan für das neue nachhaltige Zuhause.

Die Wahl des Standortes

Noch bevor der erste Spatenstich erfolgt, kann man mit der Wahl des Standortes für das neue Heim für Nachhaltigkeit sorgen. Der Baugrund sollte fest und nicht toxisch verunreinigt sein. Achtung auch auf die Umgebung: Wohnt man am Berg und pendelt viel, kann sich der häufig notwendige Autoverkehr negativ auf die Umweltbilanz auswirken. Wie ist die Lage des Standortes? Steht das Haus frei und ist der Sonneneinstrahlung schutzlos ausgeliefert, wird häufig eine Klimaanlage nötig. Bäume in der unmittelbaren Umgebung bilden eine ausgezeichnete Alternative zur Klimaanlage, außerdem absorbieren sie CO2 und sorgen für frische Luft.

Das Fundament

Der Beton hält, was er verspricht: starr, fest und für Jahrzehnte ins Erdreich gegossen. Der Einsatz von Beton hat jedoch einschneidende Nachteile: Der Erdaushub muss organisiert werden, er verursacht Dreck und eventuell Schäden am Grundstück. Zudem muss der Abraum entsorgt werden, was für zusätzliche Kosten sorgt, aber vermeidbar ist. 

Verlaufen unter dem Grundstück Versorgungsleitungen, könnten diese bei einem Erdaushub für das Betonfundament beschädigt werden. Wenn keine Sicherheit darüber besteht, ob wasserführende oder stromleitende Versorgungsrohre unter der Erde verlaufen, ist das Betonfundament nicht die erste Wahl für einen stabilen Untergrund. Denkt man über den Lebenszyklus des Hauses hinaus, stellt sich Beton als wenig nachhaltig heraus. Muss das Haus abgerissen werden, so bleiben für den Beton nur noch der Bruch und das Schreddern. 

Echte Alternativen bilden Schraubfundamente. Diese sehen nicht nur aus wie überdimensionierte Schrauben, sie erfüllen den gleichen Zweck, allerdings in der Senkrechten. Sie sind belastbar, wetterunabhängig montierbar, müssen nicht austrocknen und sie sind sehr schnell in die Erde eingeschraubt. Das Ausschrauben funktioniert übrigens ebenso problemlos; das Gartenhaus kann also unkompliziert in der Position verändert werden.

Bau auf! – Das Haus

Ganz gleich, ob ein Bausatzhaus nach dem Baukastenprinzip, ein Ausbauhaus oder ein schlüsselfertiges Haus gebaut werden soll – die vier Wände sind nicht nur Blickschutz und Halter für Regale und Bilderrahmen. Die Außenhülle eines Hauses kann hochfunktional genutzt werden. 

Lassen Sie Ihr Haus zu einem Passivhaus werden. – Ein Passivhaus ist ein funktionales Gebäude, das keine eigene Gebäudeheizung benötigt. 

Damit es trotzdem nicht zu Wärmeverlusten kommt, werden Wärmetauscher eingesetzt. Frischluft wird von außen angesogen und durchläuft zunächst den Erdwärmetauscher, dann den Luft-Wärmetauscher, der die erwärmte Zuluft ins Gebäude leitet. Die Abluft aus dem Gebäude durchströmt in umgekehrter Richtung den Luft-Wärmetauscher und wird von dort als Fortluft abgeführt. 

Ein Passivhaus ist nachhaltig, weil es eine überragende Energieeffizienz hat. Man sollte jedoch den Mehrverbrauch an elektrischer Energie stets beachten. Außerdem stehen den geringeren Kosten für die Warmwasseraufbereitung die höheren Ansprüche für eine gute Wärmedämmung gegenüber. 

Die Dämmung

Gerade beim Passivhaus, aber auch bei allen anderen Häusern kommt es auf eine gute Dämmung an. Hierbei sollte nicht gespart werden, denn Energieverluste durch Lüftung oder unzureichende Dämmung negieren alle Bestrebungen, nachhaltig zu bauen. Neben der Dämmung von Dach und Wänden kommt es auch darauf an, gut verglaste Fenster zu verbauen. In Passivhäusern werden dreifach verglaste Fenster eingebaut, die mit einem Edelgas (meist Argon) gefüllt werden und so einen deutlich besseren Wärmedämmwert haben als herkömmliche Fenster. Zwar reichen diese Werte noch nicht an den Wärmedämmwert von Wänden heran, aber Fenster sind für solare Energie sehr viel durchlässiger, wodurch ein Südfenster auch im Winter gute Werte erreichen kann. 

Beachtung verdient auch der Fokus auf die Faktoren der Nachhaltigkeit bei Dämmstoffen. Fragen Sie sich:

  • Sind sie zum Recycling geeignet? 
  • Sind sie regionalen Ursprungs, sodass keine weiten Lieferstrecken entstehen?
  • Lassen sie sich ohne großen Energieaufwand verbauen? 
  • Sind sie antiallergen und nicht gesundheitsschädlich? 
  • Sind sie schwer entzündlich? 
  • Wachsen sie schnell nach?

Je besser die Hülle des Hauses gedämmt ist, desto weniger Heizkosten sollten anfallen. Für besonders harte Winter empfiehlt es sich aber, eine Heizung einzubauen.

Heizungen

Bei Passivhäusern liefert die Nutzung von Heizungen den Restwärmebedarf, den die Dämmung nicht leisten kann. Generell sollte ein nachhaltig gebautes Haus über eine Heizung verfügen, die wiederum selbst nachhaltig und ökologisch arbeitet. Da etwa zwei Drittel vom Energieverbrauch eines Hauses für die Erwärmung des Innenraumes und des Gebrauchswassers benötigt wird, lohnt es sich, über nachhaltiges Heizen nachzudenken und dabei Einsparpotenziale zu nutzen.

Für den Einsatz von klassischen Öl- und Gasheizungen ist ein Wärmetauscher sinnvoll, der auch die Abgase der Heizungen nochmals erhitzt und energetisch nutzbar macht. So lässt sich die günstige Art der Brennstoff-Erwärmung beibehalten, gleichzeitig werden die Ressourcen aber geschont. 

Ökologisch sinnvoll ist die Anbindung an ein Fernwärmenetz, das mittels Gasverbrennung, aber auch durch Solarenergie oder Windkraft mit Energie versorgt. 

Möchte man energieautark heizen, d. h. die Heizung im eigenen Hause bedienen wollen, empfiehlt sich die Verwendung eines Holzpellet-Ofens. Obwohl darin Pellets aus verschiedenen Materialien (Stroh, Kokosnussschalen, Holz, Torf, Olivenkerne) verbrannt werden und der Ausstoß von Feinstaub höher ist als bei Öl und Gas, zeichnet sich die Ökologie hierbei durch den Wirkungsgrad aus, der bei 90 % liegt. Häufig werden Holzpellets für den Wohnzimmerkamin verwendet, der bei aller ausstrahlenden Gemütlichkeit allerdings auch nur dort heizt. 

Die an Nachhaltigkeit nicht zu übertreffende Heizung ist die thermische Solaranlage auf dem Dach. Sie wird staatlich subventioniert, gewinnt die Energie kostenfrei aus der Sonneneinstrahlung und ist damit unabhängig vom Nachwachsen der Rohstoffe. Moderne Solaranlagen können die Energie speichern, bis sie benötigt wird. 

Photovoltaik

An Nachhaltigkeit ist die Technik der Photovoltaik schwer zu übertreffen. Es lohnt sich jedoch, die Anschaffung unter Berücksichtigung der staatlichen Subventionen und des Abverkaufs von Energie zu berechnen. 

Der Aufbau einer Photovoltaik-Anlage mit Speicher liegt preislich im niedrigen fünfstelligen Bereich (15.000 – 28.000 €). Hinzu kommen Montagekosten. Geht man davon aus, dass bei kostengünstigen Photovoltaik-Anlagen die Kosten für eine Kilowattstunde bei 15 bis 20 Cent liegen, spart man bereits. Der gegenwärtige Strompreis (Stand: Herbst 2021) beläuft sich auf durchschnittlich 32 Cent. 

Nachhaltig ist der Aufbau einer Photovoltaik-Anlage ohne Zweifel. Ob er sich finanziell lohnt, hängt davon ab, wie sehr die Anlage selbst und die Montage zu Buche schlagen und ob geplant ist, länger als 20 Jahre davon zu zehren. Erst dann nämlich wirkt sich die Amortisation der Kosten der Anlage auch auf die Stromersparnis aus. 

Smarthome und energieeffiziente Geräte

Strom sparen ist nachhaltig, ökologisch und ökonomisch. Energieeffiziente Geräte sind ganz hervorragend geeignet für ein nachhaltiges Zuhause. Das Schlüsselwort heißt: SmartHome. Das kleine Kästchen, vergleichbar in der Größe mit der eines WLAN-Routers sorgt für die Automatisierung und für die Regelung der elektrischen Gerätschaften. Dies geschieht über ein digitales Datennetz, das lautlos im Hintergrund arbeitet. Der Vorteil: Der Nutzer muss sich nicht mehr persönlich um die routinierten Aufgaben der Steuerung und Regelung des Energiebedarfs kümmern, sondern das SmartHome übernimmt diese Aufgabe für ihn. Heizkörperthermostate (wenn vorhanden), Rollladensteuerung, Schließanlagen, Zeitschaltuhren und Temperatursysteme können mit einem SmartHome-System geregelt werden. Die Systeme kosten etwa 300 Euro, sie können also auch nachgerüstet werden. Achtung: Nicht kabelgebundene Systeme sind vorzuziehen, für die Systeme mit Kabel werden bis zu 5.000 Euro fällig. 

Zur Steigerung der Energieeffizienz gehört es auch, möglichst sparsame Geräte zu betreiben. Energieeffizienzklassen geben über den Verbrauch Aufschluss und belassen die Stromrechnung bzw. die Stromverbrauchsanzeige bei niedrigen Werten. 

E-Ladestation

Das Haus ist fertig gebaut, es ist warm, die Inneneinrichtung ist personalisiert bis zum SmartHome-System. Dank der unkomplizierten Verwendung von Schraubfundamenten ist auch der schnelle Aufbau eines Carports für das neue nachhaltige Elektroauto möglich gewesen.

Dieses lässt sich zwar an einer Steckdose laden, dafür ist die Steckdose aber nicht ausgelegt. Ein durchschnittlicher Mittelklassewagen benötigt 10 Stunden, um vollgeladen zu sein. Eine einfache Rechnung kommt zum Ergebnis, dass damit auch ein durchschnittliches Haushaltsgerät 10 Stunden durchgängig betrieben werden könnte. Das ist nicht Sinn und Zweck einer Haushaltssteckdose und es birgt Gefahren: Überlastung, Kabelschmelze, Kabelbrand. 

Konzipiert für diese Art des häuslichen Ladens des Elektroautos sind Ladestationen, auch Wallbox genannt. Die Installation an der Wand des Carports oder der Garage muss ein Elektriker übernehmen, der die Ladestation so konfigurieren kann, dass das heimische Stromnetz nicht überlastet wird. Die Anschaffung einer Wallbox schlägt im günstigen Fall mit 500, im teuersten mit 2.000 Euro zu Buche. Hinzu kommt die Kilowattstundenpreise.

Grüner Garten statt Steingarten

Wenn das E-Auto an der Ladestation lädt, ist genügend Zeit für Gartenarbeit. Egal, ob englischer Rasen oder Rasen zum Spielen, ob Baum- oder Gemüsegarten: Ein grüner Garten ist am besten und nachhaltig. So edel er auch aussehen mag – ein Steingarten ist nicht natürlich. Der Pflegeaufwand ist höher, die Flora wird unterdrückt, die Fauna fühlt sich unwohl und der Untergrund erhitzt sich unnötig. 

Grundstücksbegrenzung

Ein trautes Heim bedarf einer Begrenzung zum Nachbarn. Das verschafft Klarheit und Sicherheit. Eine Begrenzung kann überdies hübsch aussehen und nachhaltig zugleich sein. Ein Stahlzaun mag herrschaftlich wirken. Er schreckt aber eher ab. Ein Zaun aus dem Naturprodukt Holz ist nachhaltig und bietet Raum für elegante Gestaltungsmöglichkeiten. Noch besser und nachhaltiger: Das Einpflanzen einer Hecke als Grenzmarke.